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Standort an der Munte (Muntze)

Über Kuhsiel brachten Lastkähne seit dem Mittelalter Getreide und Vieh aus Lilienthal und Borgfeld von der Wümme in den Kuhgraben und weiter an der Munte vorbei und am Bürgerpark entlang bis zum Dobben. Die Schiffer zogen ihre Kähne über den Wümmedeich. Als der Handel mit Torf zunahm, baute man im 19.Jahrhundert die erste Schleuse in Kuhsiel.. An dem Graben “Munte” (Muntze) stand “Tappkes Kaffehaus “ an der Munte Nr. 2, hier mit den Booten der Vereinsgründer.

Der Name "Munte 2" war die Adresse vom Tappe`s Kaffeehaus, heute Hotel Munte am Stadtwald

1922 waren die Nachwehen des ersten Weltkrieges in Deutschland noch überall zu spüren. Rasant steigende Inflation und Arbeitslosigkeit verbreiteten große Unsicherheit. Trotz allem, es ging langsam wieder aufwärts. Und so suchten auch wieder unermüdliche Wassersportler Ausgleich und Erholung beim Puttenschippern. Zunächst fanden einige von ihnen Lagermöglichkeiten ihrer Boote unter der Terrasse des Kaffeehauses Tappe, Munte 2 (Adresse). Dem Wirt, Gustav Tappe, war dann aber die Unordnung in seinem Keller zu groß. Er drohte mit Kündigung. So nahm Kriminaloberkommissar Bollmann die Sache in die Hand und lud die Sportskameraden zu einer Besprechung ein am Samstag, dem 15. April 1922 in die Munte, wo dann einstimmig die Gründung der Wassersportvereinigung “ Munte II" beschlossen wurde.
Es begann also mit einem Bootslager im Keller und einem kleinen, nur im Sommer verwendbaren Holzschuppen. Tappes Mole am Muntegraben durfte, gegen entsprechende Instandhaltung, mitbenutzt werden.
Trotz der, im Vergleich zu heutigen Verhältnissen, primitiven Möglichkeiten (oder gerade deswegen?) entwickelte sich ein reges Vereinsleben mit Gemeinschaftsausfahrten, Herrentouren, vielen Regatten u.a.m.; es war wie in alten Unterlagen zu lesen, eine große Familie aus unterschiedlichster sozialer Schichtung, die sich im Paddelsport zusammen fand. Fast schwärmerisch zu nennende Fahrtberichte, selbst verfaßte Gedichte und Lieder zeugen von heute kaum noch nach empfindbarer Fröhlichkeit und Geselligkeit.

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Bauen, bis heute!

Bauen war - notgedrungen - das zweite Standbein des Vereins in seiner ganzen Geschichte, gleich ob das Bauen von Booten oder von Vereinsanlagen. In beiden Fällen war fehlendes Geld meist der Grund zur Eigenarbeit. Als erstes wurde, da ein eigenes Bootshaus nicht erschwinglich war, 1923 ein Eisenbahn-Güterwaggon aufgestellt. Bereits 1924 lief ein Bauvorhaben unter der Regie von Tappe, der das dann erstellte Bootshaus an den Verein verpachtete. Die Unterhaltungsarbeiten lagen vertraglich beim Vereinswirt, tatsächlich aber beim Verein. Dazu kamen Arbeiten für Einzäunung, Steg- und Wegebau, usw.. Wegen wiederholter Einbrüche im Bootshaus mußte daneben Nachtwache gegangen werden. Wen wundert es, daß schon früh mit Strafgeldern für Arbeitsdienstversäumnisse und 'Wachvergehen' gedroht wurde. Trotz des vielen Arbeitsdienstes kam aber der Traum vom eigenen Bootshaus wieder auf, als die W.S.M. II 1929 vom Staat die "untere Schiffsstelle an der Munte, ca7580 qm, Teil der Kataster-Nr. 269 b" gegen stolze RM 3000.- Sofortzahlung und RM 1000.- pachten konnte. Das Grundstücksverwaltungsamt verpflichtete sieh zur Ausbaggerung eines Hafens (durch Notstandsarbeiter), der Verein verpflichtete sich zum Bau eines Bootshauses. Der Hafen wurde 1931 vom Arbeitsdienst am damals neuen Munte-Hafen ausgebaut, das Bootshaus blieb der Traum. Die RM 3000.- konnten noch sofort bezahlt werden, man leistete sich sogar zeitweise eine "bezahlte Kraft" als Bootsmann, aber dann war auch die finanzielle Luft raus.
August Speckmann hier am Steuer, das Segel-Kanu “Moorhexe”, es schmückt heute unseren Clubraum.

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Melchers Hütte

Heute noch immer das Traumziel vieler Puttenschipper.

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Arbeitsdienst, wie heute noch...
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Trotz Krieg und Pein

Trotz Krieg stand das Vereinsleben nicht still. Man half sich kameradschaftlich gegenseitig, wo man konnte. Aber viele ließen ihr Leben im Krieg oder wurden umgebracht. Das Vereinsgelände wurde zum Gemüsegarten umgestaltet.

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Planungen, auf und ab

Die Bootshausplanungen liefen trotzdem weiter, doch als sie 1940 verwirklicht werden sollten, war Krieg. Erst 1955, als Tappe den Pachtvertrag gekündigt hatte, verkaufte er das vom Kriege verschonte Bootshaus auf Abbruch an den Verein, und für 2 Jahre begann erneut die Bautätigkeit auf dem gepachteten Grundstück. Mit finanzieller Hilfe des Landessportbundes und des Sportamtes, nach über 3000 Baustunden der Miglieder, konnte anläßlich des 35. Stiftungsfestes 1957 das neue (alte) Bootshaus mit Slipanlage und vom Gartenbauamt angelegten neuen Rasen, eingeweiht werden. Hier 1957

Dabei stellte August Speckmann in seiner Rede als Vorsitzender fest, daß solche Erfolge nur durch Idealismus, Gemeinsinn, Kameradschaft und Freude am Wassersport und an der Natur errungen werden können. Fast 15 Jahre später - an der Lesum - konnte er die immer noch gültigen Worte unverändert noch einmal sagen. Was aber hatte sich bis dahin für den Verein in rascher Folge alles verändert. Noch im Herbst 1966 startete ein Bauantrag für ein Vereinsheim mit Sanitär- und Mehrzweckräumen sowie offenem Kamin usw., obwohl schon im Oktober 1965 eine erste Kündigung wegen der Universität kam, die nach zähen Verhandlungen aber zurückgenommen wurde. Am 7.8. 1967 gab es eine weitere Kündigung und wurde, wieder nach energischen Vorstellungen, zurückgenommen.

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Schöne Kanuten-Zeiten 

04.07.1967, hier Oskar gegen Strom auf der Wümme

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Kuhgraben

Schöner als sein Name! Harry mit seinem Seitenborder 09.06.1971

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Verbundheit der Jugend

über die Vereine hinweg, das Foto zeigt hier unter anderem Boote aus dem Waller Wassersportverein. Wolfgang war dabei.

 Doch dann kam am 9.12.1968 das endgültige "Aus", als das Stadtplanungsamt lapidar feststellte:

"Der von Ihnen genutzte Pachtgegenstand wird für dringende Zwecke im Interesse der Stadtgemeinde Bremen benötigt".

August Speckmann stellte damals prophetisch fest: die Zukunft liegt nicht mehr auf der Wümme", und ein rühriger Hafenausschuß prüfte und verwarf dann so manchen Umsiedlungsvorschlag. Sogar die ehemalige Abdeckerei an der kleinen Wümme war im Gespräch.

Das war Ende des Vereines an der Munte. 

Neue Heimat Lesum

Umzug von der Munte zur Lesum 1970/1971

1971 / Weser-Kurier

Arbeit ohne Ende, zwei Jahre Arbeitsdienst statt Wassersport....

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Die Lesum entsteht durch den Zusammenfluss der 118 km langen Wümme mit der 48 km langen Hamme. In vor- und frühgeschichtlicher Zeit floss die Weser ab dem heutigen Stadtteil Gröpelingen in mehr nördlicher Richtung auf die Osterholzer Geest zu, um an deren Fuß nach Westen abzuknicken. Große Teile des heutigen Lesumlaufs sind also ehemaliger Weserlauf. Wir haben uns am südlichen Ufer nieder gelassen. Wie kam es dazu?  

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Umzug
Ende der 60. Jahre plante und baute Bremen die neue Universität. Leider lag der Vereinan der Munte im Planungsgebiet und musste einer neuen Straße weichen, der Universitätsalle, die tw. direkt durch das Vereinsgelände führen sollte. Der Staat hatte uns die Pacht gekündigt . Zusammen mit dem Sportamt und dem Fachverband Segeln wurde ein neuer Standort gesucht. Die Presse unterstützte uns als “Uni-Vertriebene”. (Hans Otto Busche).

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1971 war der Umzug und Baubeginn zur Lesumbroker Landstraße 60 in Bremen-Lesum. Nur mit großer Eigenarbeit wurde das Gelände aufgeschüttet und die große Holzhalle in sehr kurzer Zeit errichtet. Es handelte sich um eine typgeprüfte Holzhalle mit kanadischem Ursprung welche dort überwiegend für Kirchen konzipiert wurde. Mit welcher Weitsicht der Verein handelte, konnten wir erst später ermessen, da es bis Dato nur Paddelboote, Kanadier und Jollen so wie 3 Motorboote gab die maximal 7,5 Meter lang waren! Dafür war die Halle viel zu groß! Mit dem Umzug an die Lesum kam aber auch der Wandel. Vom Paddelboot der ersten Tage waren schon viele auf Gleiter umgestiegen, und im Zuge der Zeit ist nun aus dem Kanu- ein Motorboot- und Segelverein geworden. Mitgliedsanwärter mussten 600.-DM Aufnahmegebühr bezahlen und zusätzlich ein Stegelement von 6 m Länge bauen, inclusive der Materialkosten. Es folgte die Steg- und Slipanlage, alles gebaut von 19 aktiven Mitgliedern und 10 Außenliegern. Zwangsläufig wurden viele neue Mitglieder aufgenommen, vorwiegend Handwerker. Der Innenausbau zog sich über Jahre hin, so, wie es die Kassenlage jeweils hergab. Als Hilfsmittel diente der 13 PS Fahr Trecker und ein Unimog so wie ein Gabelstapler, die wir günstig gebraucht erstehen konnten. Eine selbst konstruierte und gebaute Maststellanlage kam hinzu.. 

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Die Mitgliederzahl und die Boote vergrößerte sich, nicht alle konnten mehr in der Halle einen Winterliegeplatz erhalten. Eine preiswert erworbene Blech-Nissenhütte wurde hinter der Bootshalle aufgestellt.
Durch erwiesene Brandstiftung wurde im Jahre 1978 die 2. Halle stark beschädigt und drei in Ausbau befindliche, fast fertiggestellte Boote, brannten aus. Weitere Boote wurden beschädigt. Es war ein herber Rückschlag. Die Halle wurde nur notdürftig wieder hergestellt. Bis 1982 dauerte es bis die Innenausbauten und der Klubraum fertig gestellt waren.
Es wurde geplant, eine 2. Bootshalle zu bauen. Dies wurde notwendig, weil zum einen der Raum für Winterlager knapp wurde und zum anderen, weil uns wegen der Planung eines Friedhofes in unserer Nachbarschaft eine Abrißverfügung für die Nissenhütte ins Haus geflattert war. Unsere Finanzen waren inzwischen aufgebessert und unsere Kameraden wurden mit DM 50000.- Arbeitsdienst eingeschätzt. Die Nissenhütte wurde auf Abriß verkauft. 1989 wurde die neue Halle aufgebaut und 1992 auch noch das Dach der alten Halle erneuert.

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Die Steganlage bestand jeweils aus einem dickwandigen Rohrrahmen mit vier untergeschweißten Drucklufttanks von verschrotteten Dampflokomotiven , also entsprechend gewichtig. Sie war mit vielen Ankern und schweren Ketten gesichert, das Ein- und Ausbringen war eine Knochenarbeit. Ebenso die jährliche Reinigung und Konservierung. Der Belag war aus Mahagoni- bzw Teakholzpaletten belegt, in der heutigen Zeit undenkbar! Es waren die Mittelstücke aus der Furnierholzferitigung. Durch eine gemeinschaftliche Bestellung vieler Vereine konnten kostengünstig Dalben erworben und 1996 gerammt werden. 2004 wurde eine komplett neue, pflegeleichte, verzinkte Steganlage geordert und 2006 fertig gestellt (Bild oben). Es stellte sich als ein sehr großes Plus an Komfort, Arbeitserleichterung und Sicherheit heraus. Eine professionell hergestellte Landbrücke aus Aluminium so wie einen vergrößerten Kopfanleger schlossen sich an.

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Besonders gern wurde unsere Grill-Ecke auf der Steganlage angenommen. Zur Herstellung hatte sich eine sehr aktive "Grill-IG" gegründet. Hier im Bild die "Belastungsprobe"! Ergebnis: Weitere Auftriebskörper sind notwendig!
Die Slipanlage zeigte große Absenkungen und Risse so dass sie 2011 grundsaniert wurde.
Zwei Einbrüche in 2013 veranlasste den Verein, eine professionelle Alarmanlage zu installieren mit Aufschaltung zu einem Sicherheitsdienst.
Parallel zu allen großen Projekten fanden ständig Pflege - und Sanierungsarbeiten statt wie z.B. die Sanierung der Toiletten- Dusch- und Umkleiderräume, die Elektrifizierung der Maststellanlage, Umstellung der Hallenbeleuchtung auf LED-Strahler usw. statt. An Ideen für Verbesserungen mangelte es nie - es wurde aber auch vieles umgesetzt.

Die Zeit bleibt nicht stehen.
Vereinsleben heißt, Veränderung. Und die zeigt unsere Geschichte uns wirklich. Zeigt uns aber auch unsere Lebendigkeit immer wieder. Vision, Plan und Ausführung liegen oft dicht beieinander, setzen die guten Ideen der Mitglieder um zum Wohle aller. Oft mit bescheidenen Mitteln denn, der Reichtum war noch nie ein Mitglied im Verein. Aber Sorgen gehören auch dazu, bei uns zur Zeit ist es die große Sorge, die Jugend für den Wassersport zu begeistern, so gern wir das auch möchten, so wie viele andere Vereine auch.

Die Zukunft ist voraus! Wir, das sind wir und wir schaffen das! Wer sonst?
2021/JR

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